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Langenzell ist Risikogebiet für Überschwemmungen

Derzeit wird im Gemeinderat von Wiesenbach über die Sinnhaftigkeit eines neuen Baugebietes vor den Toren des alten Gutshofes im Ortsteil Langenzell diskutiert. Ein Grundsatzbeschluss hierzu war schon im September vertagt worden, um die Bürger Wiesenbachs über die Zusammenhänge zu informieren und eine spätere Entscheidung im gemeinsamen Nachdenken und Abwägen reifen zu lassen (siehe RNZ vom 12.10.2020).

Ein erster Mosaikstein hierzu konnte nun bei der öffentlichen Sitzung des Gemeinderats im Oktober gefunden werden. Das Ingenieurbüro Geomer stellte die wissenschaftlichen Ergebnisse zu unseren lokalen Risiken von Starkregenereignissen vor. Ein Gemeinderat fragte direkt nach dem Kartenausschnitt von Langenzell. Dieser zeigte durch die farblichen Markierungen der Computerauswertungen, dass Langenzell stark betroffen ist. Grund dafür ist, dass hier gleich aus mehreren großen Tälern die Wassergräben zusammenführen. Normalerweise bemerkt man dies nicht, da man mit dem Auto nicht in diese Täler kommt, sondern nur nach Dilsberg oder nach Lobbach fahrend von der Höhe über sie hinwegblickt. Mit dem Fahrrad lassen sie sich jedoch sehr gut erkunden und es wird offensichtlich, wie groß die Einzugsgebiete sind, die diese Gräben dort bei einem Sturzregen entwässern. Das führte in der Vergangenheit schon bei weniger starken Regenereignissen zu großen Überschwemmungen, wovon nicht nur die Feuerwehr Zeugnis geben kann. Besonders massiv ist dabei die Wasserzufuhr durch den Saulochgraben, der mitten durch das für eine Bebauung zu überprüfende Gelände verläuft.

Hochwasserschutzwall vor der "Alten Gärtnerei" in Langenzell (Foto: Annette Blasel)

Leider kamen bei dieser öffentlichen Sitzung andere wichtige Themen bezüglich Langenzell noch nicht zur Sprache: Eine Einschätzung des Gemeindeverwaltungsverbandes Neckargemünd (GVV) bewertet die große Fläche rechts und links der Zufahrt zur „Alten Gärtnerei“ als wichtigen Ort für die Grundwasserneubildung. Das heißt: an dieser Stelle fließt Wasser unterirdisch zusammen und trifft auf Bodenschichten, die eine Versickerung bis in die Tiefen des Grundwassers zulassen. Wie würde eine moderne Bebauung hier in den Wasserhaushalt eingreifen?

Im selben Papier des GVV wird zudem auf die sehr hohe Bedeutung dieses Gebietes für das Klima hingewiesen: Es handelt sich hier um eine „Kaltluftproduktionsfläche“ und „Kaltluftleitbahn“. Bei der Hitze der letzten und der zu erwartenden Sommer ist leicht vorstellbar, wie wichtig diese Funktionen sind. Wie stark wird sich eine Verbauung dieser Fläche auf unsere klimatischen Bedingungen in Wiesenbach auswirken?


Die Klimakrise zwingt uns, anders zu denken als in den vergangenen Jahrzehnten.

Schon wieder ein neues Baugebiet? Das geht doch so nicht weiter!

Der Schutz der begrenzten natürlichen Ressourcenwie Boden, Wasser, Wald, Luft und Klima wird immer wichtiger und das ist lokal direkt spürbar. Es reicht nicht über Nachrichten und Dokumentarfilme zu erschrecken und vor Ort nichts zu ändern. Think global – act local! Schützen wir aktiv die natürlichen Ressourcen hier in Wiesenbach!

Weg zur "Alten Gärtnerei" in Langenzell (Foto: Annette Blasel)

(AB)

Verein zur Erhaltung der Wiesenbacher Kulturlandschaft e.V.

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